Namensverbreitungskarte
Mit Hilfe von interaktiven Namensverbreitungskarten kann dargestellt werden, wo ein bestimmter Familienname besonders häufig auftritt. Über die Darstellung zu unterschiedlichen Zeitpunkten können Wanderungsbewegungen nachvollzogen werden. Es gibt mehrere Webseiten, die solche Daten bereit stellen; meist werden Quellen wie Telefonbuch-CDs oder große Datenbestände wie Verlustlisten oder Adressbuchbestände ausgewertet.
Im Folgenden geht es konkret nur um die Namenverbreitungskarten im Genealogienetz. Es gibt ähnliche Karten auch für andere Länder und andere Zeitpunkte.
Grundlage sind hier die beiden Quellen
- 1890: deutsche Verlustlisten des 1. Weltkriegs
- 1996: Telefonbuch-CD
Für jeden in den Verlustlisten des Ersten Weltkrieges vorkommenden Familiennamen werden die georeferenzierten Heimatorte der Soldaten auf einer Landkarte des Deutschen Reiches von 1914 lokalisiert. Berechnungen zeigen, dass das mittlere Geburtsdatum der Soldaten bei 1890 liegt, daher das erste Datum für die Namenverbreitung. Vergleichen kann man diese mit der Verteilung der Familiennamen auf der Grundlage von Telefonbuchdaten aus dem Jahr 1996. Die Namensverbreitungskarten verdeutlichen die erheblichen Verschiebungen, die vor allem ein Ergebnis des Zweiten Weltkrieges sind.
Die Webanwendung ist in zwei Formen zu erreichen
- Punktkarte 1890/1996: nvk.genealogy.net
- Flächendichtekarte (Choroplethenkarte): nvk.genealogy.net/karte/Name1|Name2|...
Hinweise zur Bedienung
Es können für die Punktkarte mehrere Namen und Zeitpunkte ausgewählt werden. Jedes solche Paar erscheint dann in einer anderen Farbe.
Geben Sie dazu einen Familiennamen ein (er muss mit einem Großbuchstaben beginnen!), wählen Sie das Jahr aus und klicken Sie auf "hinzufügen". Der Name und das Jahr erscheinen dann farbig umrandet unter dem Auswahlfenster. Die gleichfarbigen Punkte zeigen das Vorkommen des Namens.
Durch erneutes Klicken auf einen farbig umrandeten Namen kann dieser wieder aus der Auswahl entfernt werden. Um den Namen in einer anderen Farbe zu kartieren, entfernt man ihn aus der Liste und klickt erneut auf "Hinzufügen".
Die Flächendichtekarte stellt das Vorkommen des Namens 1996 im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland dar. Die Anzahl der Namen wird für jeden Land-/Stadt-Kreis in Bezug zur jeweiligen Einwohnerzahl gesetzt. Es gibt kein Bedienfeld; die darzustellenden Namen müssen im Adressfeld des Browsers eingegeben werden, etwa in der Form https://nvk.genealogy.net/karte/Name1%7CName2
Ein paar interessante Beispiele zu den Punktkarten
Arp, Arpe
Ein typisch norddeutscher Name ist ARP oder ARPE:
https://nvk.genealogy.net/map/1890:Arp,1890:Arpe
Und auch 100 Jahre später haben die Familien ihr Herkunftsgebiet nicht wirklich verlassen:
https://nvk.genealogy.net/map/1996:Arp,1996:Arpe
Geiger / Fiedler
Die musikalische Herkunft bei GEIGER und FIEDLER ist klar, aber die Trennung war regional und wohl nicht vom Können bestimmt
https://nvk.genealogy.net/map/1890:Geiger,1890:Fiedler
Krause, Kruse und Kraus
Beim gelockten Haare war Deutschland dreigeteilt: KRAUSE, KRUSE, KRAUS. Man erkennt gut die bekannte Benrather Linie und ihre Fortsetzung im Osten.
https://nvk.genealogy.net/map/1890:Krause,1890:Kruse,1890:Kraus
Nowak
Am Familiennamen NOWAK (polnisch "Neumann") kann man gut ausmachen, wo um 1890 polnische Bevölkerung lebte. Man sieht aber auch schon die Wanderung ins Ruhrgebiet, wo zu der Zeit größere polnische Kulturvereine nachweisbar sind.
https://nvk.genealogy.net/map/1890:Nowak
Lüdtke
Auch die Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg kann man gut erkennen, wie dieses Beispiel des Namens LÜDTKE zeigt. Ursprünglich aus Pommern sind die Familien nun über ganz Deutschland verstreut.
https://nvk.genealogy.net/map/1890:Lüdtke,1996:Lüdtke
Weitere Hinweise
Der Quellcode für die Webanwendung steht unter MIT-Lizenz und ist hier zu finden: https://gitlab.genealogy.net/project/namensverbreitung. Die Daten zu den Deutschen Verlustlisten des 1. Weltkriegs sind auf Zenodo mit der Lizenz CC0 publiziert.